Veröffentlicht von Martin Völcker am Do., 7. Mai. 2020 21:32 Uhr

Wer singt, geht nicht unter ...

TELEFONANDACHT 8.5.2020 | SWEN SCHÖNHEIT

Der kommende Sonntag hat den lateinischen Namen „Kantate“. Traditionell ist dies der Sonntag der Kirchenmusik – und tatsächlich werden die Kirchen in unserer Stadt vorsichtig wieder geöffnet. Aber zum gemeinsamen öffentlichen Singen ist es noch zu früh ...

„Singt dem Herrn!“ Diese Aufforderung entstammt der Bibel, genauer gesagt den Psalmen, dem Gebetbuch der Bibel. Diese Aufforderung richten Menschen an andere Menschen, aber auch an sich selbst: So sagt David im Psalm 34 (2-4):

„Ich will den HERRN allezeit preisen; nie will ich aufhören, ihn zu rühmen. Von ganzem Herzen lobe ich ihn; wer entmutigt ist, soll es hören und sich freuen! Preist mit mir diesen großen HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen bekannt machen!“

Das klingt sehr vollmundig, sehr überzeugt, so als wäre David ständig zum Singen zumute gewesen. Aber wir kennen seine Lebensgeschichte, und die war voller Höhen und Tiefen. David spricht oder singt diesen Psalm sogar in einem Moment voller Verzweiflung. Aber er legt sich fest: Ich schaue in all den schwierigen Umständen auf Gott. Ich werde nicht aufhören ihn zu loben. Ich lasse mich nicht runterziehen! Es ist wahr: wer singt, der geht nicht unter!

Ende Oktober durfte ich auf einer großen Veranstaltung in Berlin ein Seminar leiten zum Thema „Lobpreis und Leid“: zwei Stichworte, die scheinbar nicht zusammenpassen. Doch die Bibel geht sehr ehrlich mit dem Thema Leid um. Es gehört zu unserer menschlichen Existenz.

Alle großen Glaubenszeugen der Bibel gingen mehr oder weniger durch Leid. Und Jesus selbst, der Sohn Gottes, wird als „Mann der Schmerzen“ bezeichnet. So sind auch die Psalmen reich an Lob und Klage, Danken, Fragen und Bitten … Und oft heißt es „dennoch“: „Dennoch bleibe ich stets bei dir …“ (Psalm 73,23-28).

Dass wir Gott loben, ist kein Ausdruck guter Stimmungen oder eine Reaktion auf perfekte Lebensumstände. Gott verdient unser Lob. Er verdient unsere Anbetung. Lob und Dank sind eine Entscheidung unseres Herzens. Deshalb hat David seiner Seele regelrecht befohlen:

„Ich will den Herrn preisen allezeit ...“ Oder im Psalm 103 (1-2): „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“

Zum Schluss möchte ich ihn noch eine Szene aus dem neuen Testament mitgeben. Wir finden Sie in der Apostelgeschichte (16,24-26): Paulus und sein Begleiter Silas haben das Evangelium in Philippi verkündigt. Daraufhin werden sie vor Gericht gezerrt, geschlagen und ins Gefängnis gesperrt. Sie hatten sicherlich große Schmerzen und waren vielleicht entmutigt. Doch dann heißt es dort:

„Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Liedern. Die übrigen Gefangenen hörten ihn zu. Plötzlich gab es ein heftiges Erdbeben, alle Tore sprangen auf, die Ketten fielen von den Häftlingen ab“ – und die beiden kommen durch ein Wunder frei!

Diese Geschichte ist ein schönes Bild für mich: Wenn wir Gott loben, kann dies Ketten sprengen. Mauern, die wir uns her empfinden, kommen ins Wanken. Es fällt Licht ins Dunkel! Nicht, weil wir gut drauf sind, sondern weil wir Gott hinein lassen: in unserer Seele, in unsere Gedanken und Gefühle, in die Umstände. Gott ist immer noch stark genug, das Beste daraus zu machen. Das ist die Botschaft von Kantate! Gott segne Sie alle mit Seiner Nähe und mit Seinen guten Gedanken

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