Veröffentlicht von Julia Berkoben am Sa., 18. Apr. 2020 18:07 Uhr

Lassen Sie uns gemeinsam Gottesdienst feiern, jede/r Zuhause, mit der Familie oder für sich. Miteinander sind wir im Gebet verbunden. Zünden Sie sich, wenn Sie mögen, eine Kerze an.

Um kurz vor 11 Uhr läuten wie immer unsere Glocken. Vielleicht können Sie sie hören, wenn Sie das Fenster öffnen.


Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Heute sind wir alle an verschiedenen Orten versammelt. Im Glauben verbunden.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Eingangsgebet

Guter Gott,

auf ganz ungewöhnliche Weise feiern wir heute Gottesdienst.
Gemeinsam und doch für uns.
Wir vertrauen darauf, dass du in unserer Mitte bist. Genau hier, genau jetzt.
Dafür danken wir dir und bringen vor dich alles, was ist. Amen

(Wer ein Gesangbuch hat, kann noch Psalm 84/EG 734 beten.) 


Evangeliumslesung Joh 12, 20-26

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen.
Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.


Lied EG 98 Korn das in die Erde

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn 
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


Predigt zu Jes 66, 10-14

„Das sag ich meiner Mama!“ Wenn mich jemand geärgert hat, war das meine letzte Drohung als Kind. Auch wenn ich etwas Tolles erlebt hatte oder mich sonst etwas bedrückte, war das immer die Lösung. Ich wusste, sie hört zu, sie wird helfen, mich trösten und sich mit freuen.

Im Lauf des Lebens lernt man, auch ohne die Hilfe der Mutter, der Eltern zu leben. Jugendliche wollen auch nicht mehr alles der Mama sagen, Erwachsene tragen selbst die Verantwortung und werden selbst Mutter oder Vater, später Großeltern oder sogar Urgroßeltern.

Selbstbestimmt leben ist toll, aber manchmal wünsche ich, doch einfach wieder nach meiner Mama zu rufen und darauf zu vertrauen, dass sie alles regelt. Weil manchmal mir das alles zu viel ist: Die Verantwortung, die ich heute trage, das Leben, mit all den Entscheidungsmöglichkeiten, die Sorgen um die Gesundheit. Dann wäre ich gerne einfach wieder Kind.

Gerade wieder. In diesen Zeiten der Pandemie, der Angst vor Corona, wirtschaftlichen Krisen und Unsicherheit. Noch nicht einmal Gottesdienste dürfen stattfinden und ich soll, nein, ich will trotzdem eine Predigt schreiben, um etwas normales zu tun und um Trost zu finden.

Ich lese beim Propheten Jesaja im 66. Kapitel:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.
Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Ausgerechnet das ist der Predigttext für den heutigen Sonntag. Schon vor Jahren herausgesucht für diesen Sonntag Lätare, normalerweise ist die Hälfte der Fastenzeit schon geschafft. Dieses Jahr fühlt es sich so an, als hätte die Fastenzeit jetzt erst begonnen.

Die Menschen damals in Israel werden vielleicht ähnlich über diese Worte des Propheten Jesaja gedacht haben. „Ausgerechnet Jerusalem! Die Stadt, die am meisten zerstört ist! Noch nicht einmal der Tempel, das Haus Gottes, steht noch. Und wir, das Volk, sind auch nicht alle dort, sondern verstreut im Exil.“

„Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind“, das sagt Gott. Das sagt Gott zu Israel. In so einer Situation, ohne Tempel, verstreut überall.
„Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind“, das sagt Gott heute zu mir, zu dir.
In unserer Situation, nicht in unserer Kirche, sondern verstreut in Heiligensee.

In Israel wurde es dann wieder gut, der Tempel wurde aufgebaut und die Worte des Propheten aufgeschrieben für andere schwere Zeiten. Damit andere Menschen auch vertrauen lernen können und hoffen können, dass es bald wieder gut wird.

Das sag ich meiner Mama“, das hat mir früher geholfen und hilft auch heute noch manchmal. „Das sag ich meinem Gott“, ist aber noch besser.

Amen.


Fürbittgebet

Gott, wir kommen zu dir.
Mit einem vollen Herzen, mit den Sorgen im Bauch, mit der Ungewissheit in unseren Gedanken.

Wir kommen zu dir, weil wir dir vertrauen.
Wir vertrauen darauf, dass du da bist und die Welt in der Hand hältst.
Wir vertrauen darauf, dass wir bei dir geborgen sind. Dass du hilfst und heilst und tröstet.

Wir bitten dich für alle Kranken. Schenke du Heilung und Trost.
Wir bitten dich für alle Ärzte und Pflegekräfte, für alle Apothekerinnen und Rettungssanitäter. Gib ihnen Kraft und Durchhaltevermögen.
Wir bitten dich für die Besorgten. Schenke ihnen Hoffnung und Zuversicht.

Hilf uns in dieser Situation nicht den Glauben an dich zu verlieren, sondern zu wachsen. Schenke uns deinen Mut, deine Liebe und deine Hoffnung.

Hier können Sie ihre ganz persönlichen Bitten anfügen.... 


Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.


Noch ein Tipp:



Sähen sie auf der Fensterbank etwas Kresse aus, dann können Sie zuschauen, wie es wächst und haben in ein paar Tagen, etwas Frisches für aufs Brot.


Pfrn. Jana Wentzek


Kategorien Andachten MCG